Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen? Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass diese häufig auf verklebte Faszien zurückzuführen sind. Sicherlich hast du schon mal von ihnen gehört: den Faszien. Sie durchziehen deinen gesamten Körper. Doch was sind eigentlich Faszien?

Faszien sind kollagene Fasern. Sie dienen dem Zusammenhalt und der Stabilität deiner Körperteile. Jeder Knochen, jeder Muskel, jedes Organ ist von Faszien umhüllt. Stell dir ein Stück Fleisch z.B. vom Huhn oder Rind vor, dass von einem weißen, hauchdünnen „Häutchen“ umgeben ist. Oder denk an eine Orange. Das Fruchtfleisch ist der Muskel und die weiße Haut, die die einzelnen Stücke der Orange umschließt und voneinander trennt, ist die Faszie. Dieses weißliche Bindegewebe steckt auch in deinem Körper.

augeschnittene Orange mit Fruchtfleisch und weißem Häutchen

Das Fasziensystem – das größte Sinnesorgan deines Körpers

Faszien sind echte Multitalente. Sie halten nicht nur deinen Körper zusammen und geben dir Stabilität. Sie ermöglichen auch Bewegungen und versorgen deinen Körper mit wichtigen Nährstoffen.

Wusstest du, dass das gesamte Fasziensystem zudem als das größte Sinnesorgan gilt, weil es permanent Eindrücke an das Gehirn weiterleitet? In deinen Faszien befinden sich viele sensorische Rezeptoren, die auf mechanische und chemische Reize reagieren genauso wie auf Temperaturschwankungen.

Werden Faszien nicht regelmässig gedehnt oder nur einseitig belastet, können sie verkleben und ihre Elastizität verlieren. Da sie an jeder kleinen Muskelbewegung beteiligt sind, können sie die umhüllte Muskelpartie sogar in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränken.

Für solche Verklebungen gibt es vielfältige Ursachen. Bewegungsmangel, Fehlhaltungen oder Stress sind die bekanntesten Ursachen.

Warum dir deine Faszien helfen, wenn du einem Säbelzahntiger begegnest

Bewegungsmangel und Fehlhaltungen als Ursache findest du einleuchtend, aber Stress? Nun, erinnere dich einmal an die sensorischen Rezeptoren, die auf chemische Reize reagieren. Bei Stress schüttet das Gehirn nämlich Hormone aus, um deinen Körper in Alarm zu versetzen. Diese Stresshormone sind grundsätzlich erst einmal gut, denn sie sorgen dafür, dass sich die Faszien zusammenziehen und straffen und dadurch Spannung im Körper erzeugen. Diese Spannung wird benötigt, um die stressauslösende Situation zu bewältigen.

Dies nennt sich Flucht-Kampf-Mechanismus. Durch die Spannung wird Energie freigesetzt, um entweder zu Flüchten, zu Kämpfen oder sich Tot zu stellen. Das gilt, wenn der Chef hinter dir steht, genauso wie bei der Begegnung mit einem Säbelzahntiger.

Simulation eines Säbelzahntigers

Was Faszien von Filzpantoffeln unterscheidet

Wenn der Stress aber nicht nachlässt, bleiben die Hormone sowie die Spannung im Körper bis hin zur Ver-Spannung. Hält die Verspannung dauerhaft an, kann der Körper nicht mehr so gut mit Nährstoffen versorgt werden. Es kommt zu andauernden Muskelverspannungen und Verklebung deiner Faszien. Häufig ist es so, dass bei Verspannungen dann auch noch eine Schonhaltung eingenommen wird. Dein Körper ist als lebender Organismus in der Lage, sich den neuen Anforderungen anzupassen und eine andere Haltung einzunehmen. Leider macht es das auf Dauer nicht besser, daher ist es wichtig, diese Verspannungen und Verklebungen regelmässig durch Bewegung wieder zu lösen und auch dein Stresslevel zu senken. Für beides ist Yoga ideal, zusätzlich noch gezielt die verklebten Faszien zu bearbeitet ist aber ebenfalls hilfreich. Anders als Filzpantoffeln, die – einmal gefilzt – nie mehr zurück zu einem Wollfaden werden, lassen sich Verklebungen im faszialen Gewebe nämlich wieder lösen.

Filzpantoffeln in verschiedenen Farben

Wenn Faszien ineinandergreifen wie ein Uhrwerk

Deine Faszien sind untereinander verbunden und bilden so ein großes Netzwerk in deinem Körper. Nicht immer muss die Ursache für einen Schmerz oder eine Verklebung auch genau dort liegen, wo der Schmerzpunkt ist. Daher kann es hilfreich sein, deine Faszien nicht nur an einer Stelle zu bearbeiten, sondern den ganzen Körper zu aktivieren.

Dies geht zum einen über aktive Übungen, dem „dynamischen Dehnen“. Dabei machst du weiche, federnde Bewegungen. Hierbei kommt dein ganzer Körper in Schwung und auch dein Herz-Kreislauf-System wird aktiviert. Das macht wirklich Spaß, einige Übungen sind aber auch mega anstrengend! Wenn du es etwas passiver halten möchtest, kannst du deine Faszien mit verschiedenen Hilfsmitteln „bearbeiten“. Am bekanntesten sind sicher die Faszienrolle oder der Faszienball. Wenn du das nicht hast und trotzdem sofort loslegen möchtest, kannst du dies problemlos mit „Bordmitteln“ machen.

Faszien-Equipement bestehend aus Rolle, Bällen etc.
alternatives Faszien-Equipment bestehend aus Wasserflasche voll, Nudelholz, Tennisball oder Apfel

Nimm dir dafür an Stelle der Faszienrolle z.B. ein Nudelholz oder eine volle Wasserflasche (aber bitte nicht aus Glas). Als Ersatz für einen Faszienball kannst du erst einmal mit einem Wäsche-Igelball, einem Tennisball oder sogar mit einem dicken Apfel oder einer Kartoffel starten.

Von Risiken und Nebenwirkungen

Wichtig bei der Arbeit mit der Faszienrolle ist, dass du immer zum Herzen hin rollst. Durch die Rolle übst du nämlich nicht nur Druck auf die Faszien aus, sondern z.B. auch auf die Venen. Damit es nicht zu Beschädigungen der Venenklappen, Stauungen und Krampfadern kommt, solltest du die Rolle zum Beispiel vom Fußgelenk über die Wade zum Knie rollen und nicht andersherum. Und weiter vom Knie über den Oberschenkel zum Becken. Lediglich beim Rücken kannst du vor und zurückrollen, weil deine Rippen als Schutz dienen.

Faszienarbeit mit Lipödem/Lymphödem?

Übrigens: Auch die Lymphbahnen liegen unter der Haut umgeben von Faszien. D.h., auch wenn du von Lipödem oder Lymphödem betroffen bist, kannst du Faszientraining machen. Es ist häufig sogar ausgesprochen gut, weil die Faszienübungen den Lymphfluss begünstigen und den Blutstrom im eingelagerten Fettgewebe erhöhen. Bei regelmässiger Praxis kann dies zu einer Schmerzreduktion und Verbesserung der Beweglichkeit führen. Da aber jeder Körper anders ist, sprich lieber mit deinem Arzt, ob das für dich wirklich eine Möglichkeit ist.

Praxistipp für schnelle Hilfe im Alltag

Du bist unterwegs oder bei der Arbeit und hast aufgrund von Verspannungen Kopfweh? Eine Faszienrolle oder ein Ball sind gerade nicht vorhanden?

Lies hier, wie du dir auch unterwegs schnell selbst helfen kannst mit zwei Praxistipps aus der ayurvedischen Marma-Therapie:

Yoga trotz Übergewicht ist möglich

Wenn du mehr von mir lesen möchtest, schau dir gern meine Artikel z.B. aus der Kategorie asana-Lexikon an. Hier stelle ich dir klassische asanas vor und wie du sie in der Curvy-Variante mit ordentlich Bauch, Bein, Busen und Po durchführen kannst.