Pollenzeit beginnt. Draußen wird es heller, wärmer, lebendiger. Alles scheint aufzubrechen. Und vielleicht spürst du genau das Gegenteil.
Dein Kopf ist schwer. Deine Augen jucken. Deine Energie fühlt sich zäh an.
Du funktionierst weiter – wie immer. Leistungsstark. Verantwortungsbewusst. Verlässlich. Doch dein Körper ruft nach Ruhe.
Genau diese Spannung ist kein Zufall.
Komm mit mir auf die Reise in den Frühling aus ayurvedischer Sicht und verstehe, was gerade außen und innen passiert:
Das erwartet dich in diesem Blog-Artikel:
Warum der Frühling dein System besonders fordert
Im Ayurveda gilt der Frühling als Kapha-Zeit. Kapha steht für die Qualitäten kühl, feucht, schwer und stabil. Über den Winter sammelt sich diese Energie in deinem Körper an. Du isst vielleicht gehaltvoller, ziehst dich zurück, bewegst dich weniger. Das ist ganz natürlich.
Wenn es im Frühling dann wärmer wird, beginnt dieses angesammelte Kapha sich zu „verflüssigen“. Das kann sich zeigen als:
- Verstopfung der Nasennebenhöhlen
- Erkältungen
- Wasseransammlungen (Ödemen) in den Beinen
- Müdigkeit
- Schweregefühl
- träge Verdauung
- allergische Reaktionen
Die Pollenzeit wirkt dabei wie ein zusätzlicher Reiz auf ein ohnehin sensibles System. Dein Körper ist bereits mit der inneren Umstellung um den Frühling beschäftigt – er arbeitet gerade intensiv. Er schützt dich. Und dann kommen noch äußere Reize hinzu…
Pollenzeit aus ayurvedischer Sicht verstehen
Aus ayurvedischer Sicht sind Allergien kein „Fehler“ des Körpers, sondern ein Zeichen dafür, dass dein System gerade stark reagiert.
Ein zentraler Begriff im Ayurveda ist Agni – deine Verdauungskraft. Dieses Agni wandelt Nahrung in Energie um. Ist das Agni – also deine Verdauungskraft geschwächt, kann dein Körper nicht genug Energie aus der Nahrung ziehen und es entstehen sogenannte Stoffwechselrückstände oder Schlacken.
Der Ayurveda glaubt, dass diese Stoffwechselrückstände – Ama genannt – deinen Körper generell, aber insbesondere deine Schleimhäute belasten.
Treffen nun äußere Reize wie Pollen auf einen Organismus, der bereits mit Ama beschäftigt ist, reagiert das Immunsystem schneller und intensiver. Willkommen, Heuschnupfen.
Mit einfachen Schritten durch die Pollenzeit
Du hast jetzt verstanden, was grob in deinem Körper passiert. Mit diesem Wissen kannst du dich selbst ganz anders vorbereiten und durch diese Zeit begleiten. Du brauchst dabei keine radikale Umstellung. Kleine, machbare Impulse können bereits viel bewegen:
1. Impulse für deine Ernährung
Der Körper zieht wichtige Energie aus der Nahrung, daher hast du hierüber einen sehr guten Hebel, um Einfluss auf deine Gesundheit und Heilung zu nehmen:
- Starte warm in den Tag, zum Beispiel mit einem Glas warmem Wasser und einem warmen, mild gewürzten Frühstück
- Wähle leichte, gekochte Speisen und verzichte auf Salate und Rohkost
- Nutze für deine Gerichte Gewürze wie Ingwer, Kurkuma oder schwarzen Pfeffer, um dein Agni – deine Verdauungskraft – zu aktivieren
- Reduziere Milchprodukte wie Milch, Käse und Joghurt
Für Käse-Fans:
Als absoluter Käse-Fan ist gerade der letzte Punkt für mich persönlich eine totale Vollkatastrophe.
Da ich weiß, dass viele von euch ebenfalls gerne Käse essen, möchte ich hierauf ein bisschen näher eingehen und dir erklären, warum ausgerechnet diese Produkte in der Pollenzeit kontraproduktiv sind und du es mit dem “Genuss” nur schlimmer für dich machst:
Milchprodukte wie Milch, Käse und Joghurt gelten im Ayurveda als problematisch, da sie Kapha und Ama stark erhöhen.
Sie fördern die Schleimproduktion, verstopfen Kanäle und schwächen dein Verdauungsfeuer, was Allergiesymptome wie Niesen, Jucken und verstopfte Nasen verschlimmert – besonders in der eh schon kapha-lastigen Frühlingspollenzeit.
Wirkung der einzelnen Produkte
Milch: Kalt, schwer, süß – steigert Kapha direkt, bildet klebrigen Schleim in Nase und Lunge, macht Pollenreaktionen intensiver.
Käse: Extrem kapha-fördernd durch Fettigkeit und Alterung; lagert Ama ein, belastet das Lymphsystem und verstärkt Schwellungen bei Pollen.
Joghurt: Saure, kühle Nahrung erhöht Feuchtigkeit und Ama; löst bei Allergikern oft mehr Sekret aus, trotz probiotischer Wirkung.
Empfehlung für die Pollenzeit
Reduziere oder streiche diese Produkte komplett, um Kapha zu balancieren und Agni zu stärken. Das lindert deine Symptome nachhaltig. Probiere es einfach mal aus.
Mit etwas Übung wird es dir spielend gelingen, wahrzunehmen, was dir wirklich gut tut.
2. Impulse für deine körperliche Selbstfürsorge
Zusätzlich zu den Ernährungstipps kannst du dir selbst noch mehr Gutes tun, um die Pollenzeit gut zu überstehen. Hier empfiehlt der Ayurveda folgende, einfachen Maßnahmen:
- Zungenschaben am Morgen. In diesem Blogartikel erzähle ich dir, wie die ayurvedische Morgenroutine funktioniert.
- Eine sanfte Nasenspülung. Wie das geht, kannst du hier nachlesen. Bei Pollenallergie empfehlen wissenschaftliche Studien, die Nasenspülung nicht morgens zu machen, sondern am Abend nach dem Pollenkontakt. Dies hilft für einen ruhigen Schlaf.
- Warmes Wasser direkt nach dem Aufstehen trinken (braucht glaube ich keine Erklärung ;-)).
- Trockene Bürstenmassage, um dein System zu aktivieren und Kapha in Bewegung zu bringen.
Diese Rituale brauchen nur wenige Minuten – und können dennoch spürbar Früchte tragen.
3. Impulse für deine emotionale Selbstfürsorge
Gerade wenn die Allergie schon ausgebrochen ist, fühlen wir uns schlapp und nicht so leistungsfähig. Und trotzdem treiben wir uns immer weiter an und versuchen, genauso zu funktionieren wie sonst auch. Daher kommt hier der kleine reminder und die Erlaubnis:
- Erlaube dir Pausen ohne schlechtes Gewissen
- Äußere deine konkreten Bedürfnisse
- Komme abends bewusst früher zur Ruhe
Gerade wenn du gewohnt bist, alles im Griff zu haben, kann das ein großer Schritt sein. Doch genau hier beginnt eine neue, schöne Beziehung zu dir selbst. Dein Körper wird es dir danke.
4. Impulse für sanfte Bewegung
Vermutlich hast du zur akuten Pollenzeit keine Lust rauszugehen. Verständlich. Gönne dir gern zuhause ein paar sanfte Yoga-Übungen, die dein Immunsystem und den Lymphfluss aktivieren und den Brustraum frei machen für eine bessere Atmung:
- Der Drehsitz oder das liegende Krokodil: Massiert deine Bauchorgane und unterstützt die innere Reinigung.
- Der unterstützte Fisch: Öffnet den Brustraum und fördert eine tiefe Atmung. ABER, halte hier den Kopf eher neutral und geh nicht so weit in die Rückbeuge, damit der Hals nicht kratzt und der Blutdruck nicht so hoch geht.
- Der unterstützte Schulterstand: Hat nicht nur eine beruhigende Wirkung auf dein Nervensystem, sondern unterstützt auch den Lymphfluss. ABER: bei starken Kopfschmerzen eher kontraproduktiv. Praktiziere hier gerne eine softe Version und lege einfach nur die Füße an die Wand oder auf einen Stuhl.
Bei allen Übungen achte darauf, ob es dir wirklich gut tut. Es geht hier nicht darum, etwas zu leisten, sondern deinen Körper sanft zu unterstützen.
Gut zu wissen: Dein Körper ist nicht gegen dich
Vielleicht ist diese Pollenzeit eine Einladung: Nicht noch mehr zu kontrollieren. Nicht noch mehr zu optimieren. Sondern dich liebevoll zu begleiten.
Der Frühling muss kein Neustart unter Druck sein. Er darf ein sanftes Erwachen sein. Vertraue deinem eigenen, inneren Rhythmus. Du darfst lernen, dich selbst zu unterstützen – statt dich zu bekämpfen.
Ich wünsche dir, dass du diese Pollenzeit gut überstehst und sie als Einladung siehst, dir selbst mit noch mehr Achtsamkeit zu begegnen. Vielleicht probierst du ja den einen oder anderen Tipp aus – und spürst, wie sich dein Körper nach und nach leichter anfühlt.
Lass mich gern wissen, ob dir meine Tipps gut geholfen haben.
Alles Gute für dich
Melli
PS: Weitere Rezepte, die dir im Frühling helfen, gibt es übrigens beim Ayurveda Home Retreat. Und wir kochen sie sogar gemeinsam und verwöhnen uns noch mit Yoga, Entspannung – und neu dabei – Vagusübungen für dein Nervensystem.


