Der Hochsommer erreicht seinen Höhepunkt. Die Felder leuchten goldgelb, die ersten Ähren werden geerntet.
Genau dafür steht Lughnasadh, auch Lammas oder Schnitterfest genannt. Es ist das erste große Erntefest im Jahreskreis und lädt dich dazu ein, deine persönliche Ernte zu würdigen, Erfolge zu feiern und bewusst loszulassen, was nicht mehr zu dir gehört.
In diesem Artikel erfährst du die Bedeutung von Lughnasadh, lernst die Aussprache kennen und entdeckst traditionelle Bräuche & Rituale, die du auch heute ganz einfach in deinen Alltag integrieren kannst. Und ein leckeres Rezept gibt es auch für dich zum Download:
Orientierung auf einen Blick:
Wie spricht man Lughnasadh aus?
Das Wichtigste zuerst: wie spricht man dieses Zungenbrecher-Wort bloß aus? Nun, das ist tatsächlich einfach. Ausgesprochen wird es Luu-na-sah.
Der Name setzt sich zusammen aus „Lugh", dem keltischen Sonnen- und Getreidegott, und „násad" – die Versammlung. Lughnasadh heißt also so viel wie: Zusammenkunft im Namen des Lugh.
Lughnasadh trägt jedoch noch weitere Namen: Lammas oder Schnitterfest.
Während sich das altenglische Wort Lammas auf das “Brotlaibfest” bezieht, bezieht sich der Begriff Schnitterfest auf die Tätigkeit des Erntens: Denn damit geerntet werden kann, muss das Korn geschnitten werden.
Was ist Lughnasadh? Die Bedeutung des Festes
Lughnasadh ist ein traditionelles keltisches Jahreskreisfest. Es markiert den Beginn der Getreideernte und den Übergang vom Hochsommer zum Herbst. Die Menschen schätzten sich damals glücklich, genug zu essen zu haben und die Fülle der Natur erleben zu dürfen. Gefeiert wurde - wie bei vielen keltischen Jahreskreisfesten - mit Feuer, gutem Essen und ausgelassenem Tanz in der Gemeinschaft.
Wann wird Lughnasadh gefeiert?
Lughnasadh wird traditionell zum 8. Vollmond nach Yule (der Wintersonnenwende) gefeiert. Da sich das Fest nach dem Mond richtet, wandert das Datum von Jahr zu Jahr. 2026 fällt dieser Vollmond in die Nacht vom 31. Juli auf den 1. August.
Welche Bräuche und Rituale gibt es zu Lughnasadh?
Der wichtigste Brauch ist das Brot backen. Das erste geerntete Getreide wurde nämlich als heilig betrachtet und daher zu rituellem Brot verarbeitet.
Es war Tradition, dieses erste brot von Druiden (oder auch von christlichen Pfarrern) weihen zu lassen. Anschließend wurde der Brotlaib in vier Stücke zerbrochen, die an den vier Ecken einer Scheune platziert werden. Dies sollte die in der Scheune gelagerte Ernte beschützen.
Weitere wichtige Bräuche sind die gemeinsamen Erntefeste als Ausdruck von Dankbarkeit für die Fülle der Natur und das Entzünden von Feuern zu Ehren der Sonne und des Gottes Lugh.
Die Energie von Lughnasadh
Lughnasadh erinnert dich daran, dass Fülle zwar ein Geschenk ist, der Weg dahin aber auch Arbeit bedeutet. Gleichzeitig darf alles, was reif ist, jetzt geerntet werden – und was nicht mehr wächst, wird nicht mehr gebraucht und darf gehen. Oder anders gesagt: Feiere jetzt die Ernte (deine Erfolge und das Ergebnis deiner harten Arbeit) und verabschiede dich von dem, was nicht zum Erfolg führt und nicht weiter wächst.
Es geht jetzt nicht mehr darum, Neues zu beginnen, auch die Natur lässt jetzt keine neuen Blätter, Äste oder Blüten mehr wachsen. Es geht darum, Kraft in das bereits Vorhandene zu leiten – in die Ernte - und die Fülle und den Erfolg zu feiern.
Mit Lughnasadh vollzieht sich zudem ein Richtungswechsel: vom Außen zurück ins Innere.
Lughnasadh heute feiern: Rituale für deine persönliche Ernte
Lughnasadh ist das erste von drei Erntefesten im Jahreskreis – nach Lughnasadh folgen noch Mabon und Samhain. Es ist eine Zeit der Dankbarkeit: für den unbeschwerten Sommer, der sich langsam verabschiedet, und für alles, was in den letzten Monaten gewachsen ist.
Nutze diese Zeit für dich:
1) Eigenes Kräuterbrot backen
Nutze diesen Tag, um deine Dankbarkeit für die Gaben des Jahres zu zeigen: Werde in der Küche aktiv. Das folgende Rezept zeigt dir, wie du ganz einfach dein eigenes, individuelles Kräuterbrot backst.
2) Rückblick oder Journaling
Hier ein paar Anregungen für deinen Rückblick oder ein Journaling:
- Gib dir selbst Wertschätzung für deine geleistete Arbeit und deine Erfolge. Wenn eine Saat aufgegangen ist, ist jetzt die Zeit, das zu feiern.
- Schau, was in deinem Leben reif ist – und ernte es ohne zu zögern.
- Trenne die Spreu vom Weizen: Was darfst du weiterverfolgen, was darfst du loslassen?
- Übe Abgrenzung. Das Thema dieses Schnitterfestes ist das Abschneiden, das Trennen. Du darfst mutig sein und Nein sagen, wenn dir danach ist.
- Schließe Projekte ab, triff Entscheidungen und erkenne auch Fehler an – sie sind wichtig, um daraus zu wachsen. Frag dich: Was kannst du aus deinen Fehlern für das nächste Jahr lernen?
3) Feuer-Loslass-Ritual
Hier ein kleines Loslassritual für dich:
- Nimm dir ein feuerfestes Gefäß, eine Kerze und einen Zettel.
- Schreib auf, was gehen darf – wovon du dich trennen, was du abschneiden willst.
- Verbrenne symbolisch diesen Zettel (bitte nur in sicherer Umgebung).
Feiere nun deine Erfolge - deine persönliche Ernte - und dein frisch gebackenes Brot. Genieße die Freude!
Lughnasadh und Yoga - Welche Haltungen passen zum Erntefest?
Zu Lammas passen insbesondere herzöffnende Übungen, wie die Kobra, die die warme Sonnenenergie des Hochsommers feiern. Wenn du es etwas sanfter magst, ist der Unterstützte Fisch ein wunderbarer Herzöffner für dich.
Auch die Verbindung zur Erde kannst du zelebrieren. Hierfür eigenen sich Stehende Haltungen wie Heldinnen-Flow oder Baum. Sie verbinden dich fest mit der Erde, passend zum Thema Getreide und Ernte.
Die Kindshaltung, bei der du die Stirn zu Boden bringst, bietet dir neben einer tiefen Erdung auch Dankbarkeit und Demut vor den Gaben der Erde und vorallem auch die wohlverdiente Ruhe nach der sommerlichen Aktivität.
Feier deine Ernte
Ich hoffe, dieser Artikel hat dir Lust gemacht, das Schnitterfest einmal bewusst zu erleben. Ich finde ja, wir feiern unsere Erfolge viel zu selten. Dabei muss es gar nichts Großes sein. Auch die kleinen Schritte verdienen einen Moment der Freude.
Nicht perfekt. Nicht aufwendig. Sondern auf deine ganz eigene Weise.
Vielleicht mit einem selbst gebackenen Brot, einer kleinen Yogaeinheit, einem Feuer im Garten oder einfach mit dem Gefühl: Heute darf ich feiern, was in meinem Leben schon da ist.
Ich wünsche dir ein fröhliches, sonniges Lughnasadh und eine wunderschöne Erntezeit.
Alles Liebe für dich
Melli

Ausblick: Mabon und die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche
Das nächste keltische Jahreskreisfest – Mabon, die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche – feiern wir Ende September. Mabon ist das zweite Erntefest: Tag und Nacht sind gleich lang, bevor die dunkle Jahreshälfte überwiegt. Es ist die Zeit, um dich innerlich auf den Rückzug für den Winter vorzubereiten.
Die Jahreskreisfeste im Überblick
Der Jahreskreis besteht aus acht Festen, die den natürlichen Rhythmus des Jahres widerspiegeln. In dieser Reihe kannst du die einzelnen Stationen entdecken:
- Samhain – das Fest des Übergangs und der inneren Einkehr
- Yule – die Wintersonnenwende und die Rückkehr des Lichts
- Imbolc – das erste Erwachen des Frühlings
- Ostara – die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche und der Neubeginn
- Beltane – das Fest der Lebensfreude
- Litha – die Sommersonnenwende
- Lughnasadh – das Fest der Ernte und des Loslassens
- Mabon – die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche
Häufige Fragen zu Lughnasadh (FAQ)
Was bedeutet Lughnasadh?
Lughnasadh ist das erste Erntefest im keltischen Jahreskreis. Es steht für Dankbarkeit, Fülle und die Wertschätzung dessen, was in den vergangenen Monaten gewachsen ist. Gleichzeitig erinnert dich das Fest daran, Altes loszulassen und Kraft in das zu investieren, was wirklich wichtig ist.
Ist Lammas das Gleiche wie Lughnasadh?
Ja. Lammas und Lughnasadh bezeichnen dasselbe Jahreskreisfest. Während Lughnasadh aus dem Keltischen stammt, ist Lammas ein altenglischer Begriff und bedeutet sinngemäß „Brotlaibfest". Beide Namen beziehen sich auf den Beginn der Getreideernte.
Wann wird Lughnasadh gefeiert?
Traditionell wird Lughnasadh zum achten Vollmond nach der Wintersonnenwende (Yule) gefeiert. Viele Menschen begehen das Fest heute rund um den 1. August, da dies dem traditionellen Beginn der Erntezeit entspricht.
Wie spricht man Lughnasadh aus?
Lughnasadh wird ungefähr „Luu-na-sah" ausgesprochen. Die Schreibweise wirkt zunächst ungewohnt, die Aussprache ist jedoch deutlich einfacher, als sie aussieht.
Welche Bräuche gehören zu Lughnasadh?
Zu den traditionellen Lughnasadh-Bräuchen gehören das Backen von Brot aus dem ersten Getreide, gemeinsame Erntefeste, Feuer als Symbol der Sonnenkraft sowie Rituale der Dankbarkeit und des Loslassens. Viele dieser Bräuche lassen sich auch heute noch einfach in den Alltag integrieren.
Welche Rituale kann ich zu Lughnasadh machen?
Besonders beliebt sind Dankbarkeitsrituale, Journaling, ein Loslassritual mit Feuer oder das Backen eines selbstgemachten Brotes. Auch eine achtsame Yoga-Praxis oder ein Spaziergang durch die Natur passen wunderbar zur Energie dieses Jahreskreisfestes.
Muss ich heidnisch oder spirituell sein, um Lughnasadh zu feiern?
Nein. Du kannst Lughnasadh ganz unabhängig von einer bestimmten Religion oder spirituellen Richtung feiern. Viele Menschen nutzen das Fest einfach als Anlass, innezuhalten, dankbar auf das Erreichte zu blicken und bewusst neue Kraft für die kommenden Monate zu sammeln.
Welche Jahreskreisfeste folgen auf Lughnasadh?
Nach Lughnasadh folgen Mabon, das zweite Erntefest zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, und anschließend Samhain, das Fest des Übergangs in die dunkle Jahreshälfte. Gemeinsam bilden sie den Abschluss des Jahreskreises.



