Die Atemübung Gorilla ist eine kraftvolle, aktivierende Atemtechnik. Sie gehört nicht zu den klassischen Pranayama-Techniken wie die Wechselatmung, sondern ist eher eine Form von dynamischer Körper- und Atemarbeit. Weil sie aber so viel Freude macht, lasse ich sie zwischendurch immer wieder einfließen in meinen Yoga-Unterricht.

Lies hier mehr über diese wunderbare Atemübung:

 

Was ist die Atemübung Gorilla?

Die Atemübung Gorilla ist eine aktivierende Technik, die dynamisch - also in Bewegung - und stehend durchgeführt wird. Sie ist eine Mischung aus Aktivität, Luftanhalten und Nachspüren. Sie belebt sowohl deinen Körper als auch deinen Geist. Ein vollständiger Luftaustausch in deinen Lungen führt dazu, dass sich durch die Atemübung Gorilla frischer Sauerstoff und Energie im ganzen Körper ausbreiten kann.

Wenn du zum Beispiel morgens leichter in die Gänge kommen möchtest, eignet sich die Gorilla-Übung besonders gut. Auch abends, wenn du nach Hause kommst und dich müde fühlst, kann sie dir neue Energie schenken.

Gleichzeitig hat diese Atemtechnik eine reinigende Wirkung, denn sie unterstützt dabei, alte Ablagerungen in den Alveolen und Bronchien zu lösen. 

Wirkung der Gorilla Atmung: Was in deinem Körper passiert

Die Wirkung der Gorilla Atmung entfaltet sich auf mehreren Ebenen – körperlich, mental und emotional.

Körperliche Wirkung

Diese dynamische Atemtechnik verändert deinen Atemrhythmus und den Sauerstoffaustausch in deinem Körper. Die Gorilla-Atmung ist in der Regel intensiv und vertieft - du atmest dabei mehr und intensiver aus als im Alltag, vor allem mehr Kohlendioxid (CO₂).

CO₂ wirkt im Körper leicht „säuernd“. Wenn du es stärker ausatmest, sinkt der CO₂-Gehalt in deinem Blut und der pH-Wert steigt leicht. Dein Körper wird dadurch kurzfristig „basischer“. Basisch bezieht sich hier auf den pH-Wert deines Blutes:

  • sauer = niedriger pH
  • basisch = höherer pH

Wichtig zu wissen: Dein Körper reguliert diesen Wert sehr genau und gleicht solche Veränderungen selbständig wieder aus. Einer der wichtigsten Hebel für diesen Ausgleich ist deine Atmung. Die Gorilla-Atmung erzeugt hier eine kurzfristige Verschiebung des ph-Wertes, jedoch keine dauerhafte „Entsäuerung“.

Diese vorübergehende Veränderung kann erklären, was viele während der Gorilla-Atmung spüren:

  • Kribbeln in den Händen oder im Gesicht
  • ein Gefühl von Leichtigkeit und Weite
  • Schwindel, wenn die Atmung sehr intensiv wird
  • Aktivierung und Wachheit

Das ist kein „magischer Effekt“, sondern reine Physiologie - eine natürliche Reaktion deines Körpers. Dein Herz-Kreislauf-System wird angeregt, und mit regelmäßiger Praxis kann sich dein Atembewusstsein und dein Atemvolumen verbessern.

 

Mentale Wirkung

Beim Praktizieren dieser Atemübung kommst du raus aus dem ständigen Denken. Dein Fokus wandert in deinen Körper und du bist ganz präsent im Moment, im Spüren.

Emotionale Wirkung

Über die Gorilla Atmung können Agressionen, Anspannung oder Unruhe abgebaut werden. Gleichzeitig wird ihr nachgesagt, dass sie Selbstvertrauen und Mut gibt.

 

Atemübung Gorilla: Schritt-für-Schritt Anleitung

Du brauchst für die Gorilla Übung nichts weiter als dich selbst und ein bisschen Raum. Hier findest du meine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Vorbereitung

  • Stelle dich aufrecht hin, deine Füße stehen etwa hüftbreit.
  • Deine Knie sind locker, die Arme hängen entspannt an deiner Seite.
  • Atme 3x vollständig durch die Nase ein und aus, sodass sich Bauch und Brust ausdehnen.

Runde 1 – Fingerspitzen

  1. Atme tief ein und halte die Luft an.
  2. Trommle sanft-rhythmisch mit den Fingerspitzen auf Brustkorb und Rippenbereich.
  3. Wenn dein Atemimpuls kommt, beuge dich leicht vor, stütze die Hände auf deine Knie und atme schwungvoll - mit einem lauten Gorilla-Schrei - durch den Mund aus, bis die Lungen angenehm leer sind.
  4. Sobald der Einatem-Impuls kommt, atme vollständig ein und richte dich dabei wieder auf.

Für Fortgeschrittene: Wenn die Lungen nach Punkt 3 geleert sind, ziehe den Bauch kraftvoll nach innen-oben und halte mit leeren Lungen den Atem an, solange es angenehm möglich ist. Dann atme ein wie in Punkt 4 beschrieben.

Runde 2 – Handflächen

  • Wiederhole die Übung wie in Runde 1.
  • Klopfe diesmal mit offenen Handflächen den Brustkorb und die Rippenbereiche ab.

Runde 3 – Fäuste

  • Führe die Übung erneut durch wie in Runde 1 beschrieben.
  • Klopfe nun mit lockeren Fäusten den Brustkorb ab.

Für Fortgeschrittene: Praktiziere gern eine 4. und 5. Runde mit den Fäusten

Nachspüren

  • Stelle dich nach der letzten Runde aufrecht hin, schließe deine Augen und atme ruhig weiter.
  • Spüre der Übung nach, ohne zu bewerten.
  • Vielleicht nimmst du ein angenehmes Pulsieren im Brustkorb wahr oder ein sanftes Kribbeln in den Fingerspitzen.

 

Wichtige Hinweise zur Gorilla Atmung

Wenn du noch nicht so geübt bist, kann es kann sein, dass du am Anfang leichte Schwindelgefühle bekommst. Dein Körper ist vielleicht noch nicht an diese Menge Sauerstoff gewöhnt. In diesem Fall atmest du einfach nicht ganz so tief ein – vielleicht nur zu drei Vierteln. So kannst du die Übung Schritt für Schritt üben. Spätestens nach dem zweiten oder dritten Mal, wenn du diese Übung praktizierst, wird das Schwindelgefühl in der Regel nicht mehr auftreten.

 

Atemübung Gorilla im Video: Schritt für Schritt angeleitet

Wenn du die Atemübung Gorilla lieber gemeinsam mit mir praktizieren möchtest, findest du hier eine geführte Videoanleitung – so kannst du die einzelnen Schritte in deinem eigenen Tempo umsetzen und dich sicher durch die Übung begleiten lassen.

Fazit: Die Atemübung Gorilla als Weg zurück zu deiner Lebendigkeit

Die Atemübung Gorilla ist eine einfache, aber wirkungsvolle Möglichkeit, dich zu aktivieren und dir mehr Energie zu schenken. Sie unterstützt dich außerdem dabei, Spannungen abzubauen und deinen Atem zu vertiefen.

Zudem bringt dich diese tolle Übung aus dem Denken zurück ins Spüren.

Ich wünsche dir viel Freude beim Praktizieren - und trau dich, einen wirklich lauten, kräftigen Gorilla-Schrei auszustoßen. Das macht die Übung effektiver und außerdem viel Freude.

Alles Liebe für dich
Melli

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Häufige Fragen zur Atemübung Gorilla

Wie lange sollte ich die Gorilla Atmung machen?

Für den Einstieg reichen 1–3 Runden vollkommen aus. Orientiere dich dabei nicht an einer festen Zahl, sondern an deinem Körper: Sobald du merkst, dass es sich zu intensiv anfühlt, beendest du die Übung.

Mit etwas Routine kannst du die Anzahl der Runden schrittweise erhöhen.

 

Kann ich die Übung täglich machen?

Ja, du kannst die Atemübung Gorilla regelmäßig/täglich praktizieren. Sinnvoll ist es, sie gezielt einzusetzen:

  • morgens, um deinen Kreislauf zu aktivieren
  • zwischendurch, wenn du neue Energie brauchst

Weniger geeignet ist sie in Momenten, in denen dein System bereits sehr aktiviert oder überfordert ist. Hier empfehle ich dir eher die Wechselatmung, die dich runterreguliert und eine beruhigende Wirkung hat.

 

Ist die Atemübung Gorilla für Anfänger geeignet?

Ja, die Übung ist sehr gut für Anfänger geeignet. Wichtig ist:

  • beginne mit geringer Intensität
  • verzichte zunächst auf das Luftanhalten nach dem Ausatmen
  • mache zu Anfang nur 3 Runden

So gibst du deinem Körper die Möglichkeit, sich an die Übung zu gewöhnen.

Wenn du merkst, dass dich die Atemübung eher überfordert als unterstützt, ist das kein Zeichen von „nicht können“, sondern ein wichtiger Hinweis deines Körpers.

Dann wähle bewusst eine sanftere Praxis wie die Wechselatmung.